Wortflucht.

Hier entsteht ein Blog, der sich mit allem rund um Bücher beschäftigt. Egal ob Rezensionen, Neuentdeckungen oder auch Fundstücke, die wieder ausgegraben wurden. Ein Blog, der sich nur dem Buch und dem Handwerk Lesen widmet. Eine Flucht in die Welt der Buchstaben, eine Flucht in die Welt der Worte.
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Rezensionen.

Lissie.


Julia.

Ein 17jähriges Mädchen, das auf der Suche nach ihrem persönlichen Romeo in die Welt der Worte flieht, um das zu finden, was sie in der Realität vergeblich sucht. Sie rettet die Welt, kämpft mit Drachen, findet den Mörder und lebt die Liebe - in der Welt der Worte. Mehr?
Lesejahr 2009.

das Leben eines NewYorker Lehrers, der von mehr träumt

Autor: Frank McCourt
Titel: Tag und Nacht und auch im Sommer - Erinnerungen
Broschiert, 336 Seiten
Verlag: Btb
Sprache: Deutsch


Ein Buch, das ich vor langer Zeit mal angefangen hatte, dann jedoch wieder auf die Seite gelegt habe. Hatte gerade eine Leseblockade und deshalb lieber zu etwas leichterem gegriffen. Letztens dann jedoch wiederentdeckt und angefangen weiterzulesen. Frank McCourt hat einen wunderbaren Schreibstil. Er schafft es, seine Erinnerungen in ein Konzept zu packen, dem Leser zu verdeutlichen, wie das Leben an den NewYorker Schulen so abläuft. Und wie er mit seinem ganz eigenen Unterrichtskonzept mehr oder weniger gut ankommt: bei den Schülern mehr, bei den Kollegen eher weniger. Er hat es nicht leicht, ist oft unzufrieden, sehnt sich nach der großen Chance und bleibt doch immer bei seinen Schülern. Im High-School-Klassenzimmer ist man Feldwebel, Rabbi, Schulter zum Ausweinen, Zuchtmeister, Sänger, Stubengelehrter, Büroangestellter, Schiedsrichter, Clown, Berater, Beauftragter für die Kleiderordnung, Schaffner, Fürsprecher, Philosoph, Kollaborateur, Stepptänzer, Politiker, Therapeut, Narr, Verkehrspolizist, Priester, Mutter-Vater-Bruder-Schwester-Onkel-Tante, Kritiker, Psychologe, Rettungsanker. All das in einer Person zu vereinigen, ja, das ist McCourt gelungen.

Dreißig Jahre lang hat Frank McCourt an New Yorker Schulen unterrichtet. Hat versucht, launische, genervte oder aufsässige Schüler zu fesseln und ihre Herzen zu gewinnen - mit den unkonventionellsten Methoden, was ihm oft Ärger mit den Vorgesetzten einbrachte. Vor allem jedoch hat er ihnen Geschichten erzählt, Geschichten aus seiner Kindheit, aus Irland, aus seinem Leben - und verblüfft festgestellt, dass die Kinder immer mehr hören wollten. Mit entwaffnender Ehrlichkeit und viel Humor schildert er seinen Kampf im Klassenzimmer, offenbart Selbstzweifel und Unsicherheit, peinliche Niederlagen und erhebende Augenblicke. Die abendliche Flucht in die Kneipe, Gespräche mit anderen Schriftstellern, seinen ewigen unerfüllten Traum, selbst einer zu werden, verschweigt er ebensowenig wie das Scheitern seiner Ehe oder den misslungenen Versuch, am Trinity College in Dublin - das ihm einst als Gossenjunge aus Limerick so unerreichbar schien - zu promovieren. In der Schule, vor seinem strengsten Publikum, hat McCourt gelernt, dass man seine Zuhörer ernst nehmen muss, wenn man sie erreichen will. Hier hat er gelernt, sie mit der ihm eigenen Mischung aus Witz und Selbstironie, Offenheit und Lebensweisheit zu fesseln.
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Als ich das Buch gekauft habe, habe ich anderes erwartet. Es entspricht nicht meinen Vorstellungen, ist jedoch durchaus gelungen.
Lissie am 12.2.09 20:00


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Ein teuflichsches Spiel gegenseitiger Abhängigkeit

Autor: Patrick Redmond
Titel: Das Wunschspiel
Taschenbuch, 446 Seiten
Verlag: Goldmann
Sprache: Deutsch


England 1954: In einem Elite-Internat kommen unter mysteriösen Umständen mehrere Schüler und ein Lehrer ums Leben. Die englische Oberschicht ist schockiert und setzt alles daran, die Vorfälle zu vertuschen. Jahre später stößt ein Journalist auf die alte Geschichte und erfährt von einer gefährlichen Freundschaft zwischen zwei Jungen, die mit dem Feuer spielten ...


Ich muss gestehen, seit diesem Buch, bin ich Patrick Redmond Fan. Redmond liefert hier einen Psychothriller erster Klasse. Jonathan, der schüchterne Junge aus armen Verhältnissen hat die Ehre auf ein Elite-Internat zu gehen. Doch dort erlebt er die schlimmste Zeit seines Lebens: er wird schickaniert und scheint der perfekte Sündenbock zu sein. Bis er sich mit Richard anfreundet. Richard ebenfalls ein Außenseiter, jedoch nur, weil er es selbst so will. Er nimmt Jonathan unter seine Fittiche und zeigt ihm wie man sich wehrt. Richard wird nicht zulassen, dass diese Freundschaft von irgendjemandem zerstört wird. Redmond gelingt es den grausamen Internatsalltag mit den intriganten Machtspielchen der Schüler und Lehrer perfekt zu beschreiben. Den Kampf der beiden Jungen gegen all jene, die ihnen Böses wollen schildert er in einem Sprachstil, der den Leser fesselt und es ihm unmöglich macht das Buch aus der Hand zu legen. Den Wunsch nach Anerkennung und Freundschaft und die damit verbundenen Opfer, die jeder bereitwillig bringt hat wohl jeder schon einmal gespürt. Diese Geschichte ist nichts für schwache Nerven, und doch gehört dieser Thriller meiner Meinung nach zu den besten Büchern, die ich bisher gelesen habe.

Ebenfalls zu empfehlen sind seine anderen Bücher: Der Musterknabe und Der Schützling. Rezensionen folgen. (:
Lissie am 25.1.09 17:58


Die Hürden des Erwachsenwerdens.



Autor: Nick Hornby
Titel: Slam
Taschenbuch, 352 Seiten
Verlag: Penguin Books
Sprache: Englisch
Bewertung:

Der 15jährige Skater Sam befindet sich mitten im Prozess der Selbstfindung und hat nichts anderes als Skaten im Kopf. Als Sam schließlich die gleichaltrige Alicia kennenlernt, wird sein Leben mit einem Mal auf den Kopf gestellt. Er verliebt sich Hals über Kopf in Alicia, verbringt jede freie Minute mit ihr und verliert die Lust am Skaten. Stattdessen beschließt Sam, mit Alicia Sex zu haben. Nach einiger Zeit zerbricht die Beziehung langsam und als Sam sich schließlich dazu entschließt, die Beziehung zu Alicia zu beenden, erfährt er von ihr, dass sie schwanger ist. Sam sieht sich fortan mit Dingen konfrontiert, die normalerweise nur im Leben Erwachsener auftreten. Zwischen Beziehung und Nichtbeziehung zu Alica und mit Hilfe seines Idols Tony Hawk, dessen Biografie er auswendig kann und von dessen Poster er sich immer wieder Ratschläge für sein Leben erhofft, muss er seinen Weg für die Zukunft finden.

Mit Slam ist Nick Hornby ein Werk gelungen, in dem er sich voll und ganz den Schwierigkeiten einer Teenagerschwangerschaft stellt. Er erzählt die Geschichte eines Teenagers, die wohl das widerspiegelt, was viele von uns - zumindest die moderne Generation - genau in diesem Alter durchleben. Er schreibt über Familienverhältnisse, Skaten, das Nacheifern von Idolen, das erste Mal, Aussichtslosigkeit und Probleme, die im Alltag auf seinen Protagonisten Sam einstürzen. Das alles verpackt Hornby in eine Geschichte, die er mit seinem - wie gewohnt - humorvollen Stil erzählt, der mich an einigen Stellen wirklich köstlich amüsiert und den Ernst der Geschichte dennoch keineswegs in den Hintergrund gestellt hat. Mit seinem klugen Wortwitz und der kompletten Story hat Horny mich vollstens überzeugt.
Das einzige, was beim Lesen an zwei Stellen für Verwirrung gesorgt hat, sind die beiden Zukunftsvisionen Sams, die sich ganz ohne Vorwarnung in das Geschehen einschleichen. Aber spätestens bei der zweiten Vision kommt man schnell dahinter, das gerade wieder ein Ausflug in die Zukunft erfolgt.
Julia am 25.1.09 14:18


"Frieg gegen Kranfreich? Ausgerechnet heute", stöhnt der Fönig. "Wo doch heute Klohmarft ist!"

Autor: Walter Moers
Titel: Ein Fönig - Ein Moerschen
Audio CD
Verlag: Eichborn
Sprache: Deutsch


Nachdem der Fönig angeordnet hat, dass in seinem Reich alle Fs und alle Ks vertauscht werden sollen, erwacht er eines Morgens vom Gezwitscher einer Fohlmeise, eines Folibris und eines Faninchens. Aber: Fönnen Folibris und Faninchen überhaupt Zwitschern? Doch der fönigliche Traumdeutungsberater kann dieses seltsame Zeichen sofort klären: Es ist Frieg mit Kranfreich. Und das, wo doch heute Klomarft ist und er in seinem kleinen Fönigreich sowieso keine Klotte hat und feine Luftwakke, feine Fernwakken, Klugzeugträger oder Kernlenfrafeten hat.
Ein ganz wunderbares Hörbuch. Normalerweise bin ich kein Fan von Hörbüchern, ich lese lieber selbst. Aber Dirk Bach verkörpert den kleinen, pummeligen Fönig einfach perfekt. Es ist ein Genuss ihm dabei zuzuhören, wie er sich durch die vielen vertauschten Buchstaben wälzt. Und falls man sich selbst mal als Buchstebenverdreher versuchen will, hat dazu mit dem beigelegten Text die Möglichkeit. Und stellt dabei fest, dass es gar nicht so einfach ist, wie es sich bei Dirk Bach anhört, denn Walter Moers hat mal wieder seine ganze Kunst gezeigt und ein wunderbares Buch geschrieben. Der kleine Fönig ist dem Leser sofort sympathisch mit seinen kleinen Missgeschicken, seinen Sorgen und seine Last mit seiner Ehefrau, die die ehelichen Pflichten erfüllt sehen will, obwohl doch Klohmrft und Frieg ist. Unbedingt empfehlenswert und eine Bereicherung für den Hörbuchmarkt.
Lissie am 25.1.09 09:13


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